Das neu gegründete Internationale Filmfestival in Niš steht unter Beobachtung wegen seines offensichtlichen Mangels an Originalität und potenzieller Verstöße gegen Vorschriften zum Kulturerbe. Das vom Stadtrat von Niš organisierte Festival wurde kritisiert, weil es dem Filmfestival in Vrnjačka Banja stark ähnelt, was Fragen zu seiner Authentizität und seinem Zweck aufwirft.
Eine der umstrittensten Fragen rund um das Festival ist die Entscheidung, in die Wände der Niš-Festung zu bohren, um Werbebanner aufzuhängen. Die Niš-Festung, seit 1948 ein geschütztes Kulturdenkmal, hat seit 1730 keine nennenswerten Veränderungen mehr erfahren. Die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme ist fraglich, da unklar ist, ob die Festivalorganisatoren die erforderlichen Genehmigungen von den zuständigen Behörden für das Kulturerbe erhalten haben. Jelena Milošević, ein Mitglied der Stranka slobode i pravde (SSP), hat ihre Bedenken zu diesem Thema geäußert und erklärt, dass die Festung nicht als Werbefläche genutzt werden sollte und fordert Verantwortlichkeit von den Verantwortlichen.
Das Festival wurde als Fortsetzung der Tradition der ehemaligen Filmbegegnungen beworben, die dafür bekannt waren, lokale Schauspieler und Filme zu präsentieren. Diese neue Auflage ist jedoch grundlegend anders und konzentriert sich auf internationale Filme statt auf lokale Produktionen. Dieser Fokuswechsel hat zu Kritik geführt, dass das Festival keine echte Fortsetzung des Erbes der Filmbegegnungen sei. Die ehemaligen Filmbegegnungen, die 59 Jahre lang stattfanden, zeigten ausschließlich lokale Filme aus Jugoslawien und später Serbien, während das neue Festival internationale Beiträge umfasst.
Weitere Kritik richtet sich gegen die Diskrepanzen im Programm des Festivals. Trotz Versprechen von 12 Premieren wurden lediglich neun Filme als Premieren hervorgehoben, von denen mehrere bereits beim Filmfestival in Vrnjačka Banja uraufgeführt wurden. Das Programm umfasst 26 Filme, viele davon sind Wiederholungen aus dem Vrnjačka-Banja-Line-up, was Fragen zur Originalität der Angebote des Festivals aufwirft. Auffällig ist, dass das Programm des Festivals keine Klarheit über die Auszeichnungskategorien bietet und unklar ist, ob überhaupt Auszeichnungen vergeben werden.
Auch die Werbeaktivitäten des Festivals haben für Aufsehen gesorgt. Die Einbeziehung von Musik- und Kabarettaufführungen, mit Darbietungen, die sich mit der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) identifizieren, wird als Versuch angesehen, verschiedene Unterhaltungsmittel zu vermischen, obwohl dies nicht von allen gut aufgenommen wurde. Die Einbeziehung internationaler Gäste, wie dem Schauspieler Jean-Claude Van Damme, wurde hervorgehoben, jedoch bleibt die allgemeine Rezeption des Festivals lauwarm.
Die Kontroversen rund um das Festival haben eine breitere Diskussion über den Erhalt des Kulturerbes und die Authentizität kultureller Veranstaltungen ausgelöst. Die Niš-Festung, ein Symbol historischer Bedeutung, ist zu einem Brennpunkt in dieser Debatte geworden, und es werden strengere Vorschriften gefordert, um weiteren Schäden an solchen Denkmälern vorzubeugen.
Während das Festival weiterläuft, bleibt abzuwarten, wie sich diese Kritiken auf zukünftige Ausgaben auswirken und ob die Organisatoren auf die Bedenken von Kulturvertretern und der Öffentlichkeit reagieren werden. Die Situation unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen Berücksichtigung des Kulturerbes bei der Planung und Durchführung öffentlicher Veranstaltungen, insbesondere solcher, die behaupten, auf historischen Traditionen aufzubauen.





