Am 22. Oktober trat Serbien in eine Phase der Wahlkampfsperre ein, die bis zum Schließen der Wahllokale am 25. Oktober dauern soll. Diese Phase verbietet gesetzlich die Werbung für Kandidaten und deren Programme sowie jegliche Aufrufe an die Wähler, bestimmte Wahllisten zu unterstützen oder abzulehnen. Trotz dieser Einschränkungen wurden regime-freundliche Medien beschuldigt, die Stille zu umgehen, indem sie kritische Medien wie N1 und Nova S angreifen und behaupten, diese würden die Wahlkampfsperre nutzen, um einen koordinierten Angriff auf den ehemaligen Präsidenten Aleksandar Vučić zu starten.
Die Anschuldigungen wurden prominent in Boulevardzeitungen wie „Informer“ behandelt, die behaupteten, N1 und Nova S hätten mit Unterstützung regionaler und europäischer Medien die Wahlkampfsperre ausgenutzt, um Vučić anzugreifen. „Informer“ beschrieb die Situation als eine „brutale Entmenschlichung“ Vučićs und stellte fest, dass diese Medien seit einem Jahrzehnt gegen ihn seien. Andere regimefreundliche Publikationen, darunter „Večernje novosti“ und „Politika“, wiederholten diese Ansichten und beschuldigten die kritischen Medien, Vučić anzugreifen, während er aufgrund der Einschränkungen der Wahlkampfsperre nicht darauf reagieren könne.
Als Reaktion auf diese Vorwürfe wurde eine Strafanzeige gegen N1 und Nova S wegen angeblicher Verletzung der Wahlkampfsperre eingereicht. Die Regulierungsbehörde für elektronische Medien (REM) wird aufgefordert, diese angeblichen Verstöße zu überwachen. Dragan J. Vučićević, Chefredakteur von „Informer“, und die Journalistin Branka Lazić haben REM-Mitglied Rodoljub Šabić aufgefordert, zu den angeblichen Verstößen der kritischen Medien Stellung zu nehmen. Šabić stellte jedoch fest, dass die Überwachung der Wahlkampfsperre von den Fachabteilungen der REM durchgeführt werde.
Die Anschuldigungen gegen die Medien sind nicht unumstritten. Kritiker weisen darauf hin, dass diese Behauptungen hauptsächlich aus regimefreundlichen Quellen stammen, die möglicherweise nicht unparteiisch sind. Diese Situation verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen Medien und Regierung in Serbien, was das öffentliche Vertrauen und die Wahrnehmung des Wahlprozesses beeinträchtigen könnte.
Das Konzept der Wahlkampfsperre in Serbien, die 48 Stunden vor dem Wahltag beginnt und bis zum Schließen der Wahllokale andauert, soll den Wählern ermöglichen, Entscheidungen ohne den unmittelbaren Druck von Wahlkampftätigkeiten zu treffen. Kritiker argumentieren jedoch, dass diese Praxis veraltet sei, da politische Botschaften weiterhin über soziale Medien, Plakatwände und Newsletter verbreitet werden. Sie äußern auch Bedenken hinsichtlich der Beschränkung der Meinungsfreiheit und des Potenzials, dass falsche Nachrichten verbreitet werden, ohne dass zeitnahe Widerlegungen erfolgen.
Der breitere Kontext der Medienbeziehungen in Serbien ist durch Vorwürfe von Voreingenommenheit und Manipulation geprägt, insbesondere im Zusammenhang mit der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS). Die SNS sieht sich der kritischen Betrachtung ihrer Kontrolle über Mediennarrative ausgesetzt, wobei frühere Wahlen von Vorwürfen über Unregelmäßigkeiten und Medienvoreingenommenheit überschattet wurden.
Während sich Serbien auf die Parlamentswahlen zubewegt, bleibt das Verhalten der Medien während der Wahlkampfsperre ein umstrittenes Thema. Der Ausgang dieser Wahlen und die Rolle der Medien bei der Beeinflussung der öffentlichen Meinung könnten signifikante Auswirkungen auf die politische Landschaft Serbiens und seine Beziehungen zur Europäischen Union haben. Die anhaltenden Medienangriffe in dieser Zeit werfen Fragen zur Medienethik und zur Integrität des Wahlprozesses auf und verdeutlichen die Komplexität politischer Diskurse im Land.








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