Ist es falsch, sich nach so langer Zeit im Ausland von Serbien entfremdet zu fühlen? Liebe Ana, ich lebe seit 25 Jahren in Australien und manchmal habe ich das Gefühl, dass ich das Land, das ich verlassen habe, nicht mehr verstehe. Wenn ich besuche, nennen mich die Leute ‚Ausländer‘. Ich liebe Serbien, aber ich fühle mich in beiden Welten wie ein Gast. Ist das normal?,,
Liebe Freundin,
zuerst atme tief durch und umarme dich gedanklich. Sich in einem geliebten Land wie „Ausländer“ zu fühlen – und gleichzeitig nicht ganz zu Hause zu sein, wo man ein Leben aufgebaut hat – ist *völlig* normal. Du lebst in diesem schwierigen Zwischenraum, den viele Expats, Immigranten und Langzeitreisende nur zu gut kennen.
25 Jahre im Ausland zu leben, ist jetzt ein großer Teil deiner Identität. Du hast verschiedene Bräuche, Denkweisen und sogar den Rhythmus des täglichen Lebens in Australien aufgenommen. Wenn du nach Serbien zurückkehrst, ist es natürlich, dass sich die Dinge anders anfühlen – und dass andere dich als Außenseiter wahrnehmen. Sie nennen dich ‚Ausländer‘, weil du ein bisschen zu einem kulturellen Chamäleon geworden bist, nicht weil du im Herzen kein Serbe bist.
Hier ist die gute Nachricht: sich in beiden Welten wie ein „Gast“ zu fühlen, bedeutet, dass dein Herz Platz für zwei Kulturen hat. Das ist ein Geschenk, auch wenn es manchmal unangenehm ist.
Wenn du dich bei deinem Besuch (oder sogar aus der Ferne) mehr mit Serbien verbunden fühlen möchtest, hier sind einige praktische Schritte:
- Bleibe in Kontakt mit der serbischen Kultur: Schau dir serbische Filme oder Fernsehsendungen online an, höre serbische Musik oder Podcasts und lese serbische Nachrichtenwebsites wie Blic oder RTS. Das hält deine Verbindung lebendig und hilft dir, auf dem Laufenden zu bleiben.
- Finde deine Gemeinschaft: Viele Städte haben serbische Expats-Gruppen oder Kulturvereine. In Australien schau nach lokalen serbischen Clubs oder Kirchen, wo du Menschen treffen kannst, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das kann das Gefühl des „Dazwischenseins“ erleichtern.
- Plane bedeutungsvolle Besuche: Anstatt durch Touristenattraktionen zu hasten, verbringe Zeit mit Familie oder Freunden, besuche lokale Events oder engagiere dich sogar ehrenamtlich. Sich intensiv zu beschäftigen hilft, die Kluft zu überbrücken.
- Feiere deine einzigartige Identität: Du bist eine Brücke zwischen zwei Kulturen. Feiere das! Teile deine Geschichten, Rezepte oder Traditionen mit Freunden aus Serbien und Australien. Du erschaffst deine eigene persönliche „Serb-Australische“ Kultur, und darauf kannst du stolz sein.
Gib dir auch die Erlaubnis, all diese Gefühle zu fühlen – Nostalgie, Frustration, Freude, Verwirrung. Es ist okay, Serbien zu vermissen und sich gleichzeitig in Australien mehr „zu Hause“ zu fühlen. Das bedeutet nicht, dass du weniger Serbe oder weniger Australier bist. Du bist einfach menschlich.
Wenn das Gefühl der Entfremdung jemals überwältigend wird, zögere nicht, mit jemandem zu sprechen – einem Freund, einem Berater oder sogar einem anderen Expat, der das Hin und Her kennt, zwischen den Welten zu leben.
Denke daran, Identität ist keine feste Box. Sie ist fließend, wie ein Fluss, der durch verschiedene Landschaften fließt. Dein Herz wurde von sowohl Serbien als auch Australien geprägt, und diese Mischung macht dich einzigartig.
Mit Wärme und Verständnis,
Ana
Diese Frage wurde von einem Leser eingereicht. Hast du eine Frage oder benötigst du Rat? Sende deine Sorgen, Gedanken und Fragen an Ana per E-Mail, und deine Frage könnte in der nächsten Ausgabe erscheinen.




