Die rechtlichen Verfahren gegen das serbische Unternehmen „Milenijum tim“ und die Journalistin Maja Nikolić wurden erneut verschoben. Die Verzögerung trat auf, weil Stojan Vujko, der rechtliche Vertreter von „Milenijum tim“, nicht zur Anhörung am Dritten Grundgericht in Belgrad erschienen ist. Dies ist das zweite Mal, dass Vujko seine Abwesenheit offiziell begründet hat. Das Unternehmen verfolgt eine private Strafklage gegen Nikolić und fordert eine einjährige Gefängnisstrafe, weil sie angeblich seinen geschäftlichen Ruf und seine Kreditwürdigkeit durch ihre Berichterstattung geschädigt hat.
Die Klage, die im Februar eingereicht wurde, dreht sich um einen Artikel, den Nikolić am 15. Januar veröffentlicht hat. Darin wird der Kauf des Hotels „Jugoslavija“ behandelt und angebliche staatliche Subventionen erwähnt, die wohl wohlhabende Unternehmen, darunter „Milenijum tim“, begünstigten. Das Unternehmen behauptet, der Artikel enthalte falsche Aussagen über seine Geschäftstätigkeiten und lasse vermuten, dass Staatsgelder an Unternehmen vergeben werden, die der Regierung nahe stehen, wodurch sein Ruf geschädigt werde.
Nikolićs Anwältin, Nevena Marinković, argumentiert, dass die Klage ein Missbrauch des Rechtsprozesses sei, der darauf abzielt, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Marinković betont, dass die rechtlichen Voraussetzungen zur Nachweisführung der angeblichen Straftat nicht erfüllt sind, da Nikolić keine falschen Informationen präsentiert oder die Absicht hatte, den Ruf oder die Kreditwürdigkeit des Unternehmens zu schädigen. Die Anwältin wies außerdem auf die verfahrensrechtlichen Verzögerungen hin und deutete an, dass diese darauf abzielen könnten, Selbstzensur unter Journalisten zu induzieren und sie von der Berichterstattung über sensible Themen abzuhalten.
Der Richter hat den Anwalt von „Milenijum tim“ angewiesen, innerhalb der nächsten 15 Tage Termine zu nennen, an denen Vujko in Belgrad verfügbar sein wird, um sicherzustellen, dass die nächste Anhörung stattfinden kann. Marinković äußerte die Hoffnung, dass die bevorstehende Anhörung endlich stattfinden werde.
Dieser Fall verdeutlicht die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der Pressefreiheit in Serbien, wo Journalisten häufig rechtlichem und politischem Druck ausgesetzt sind. Der serbische Journalistenverband hat zuvor über ähnliche Fälle berichtet, in denen rechtliche Schritte als Versuche wahrgenommen wurden, die Medien einzuschüchtern. Das Fehlen von Vujko bei den Anhörungen wirft Fragen zur Ernsthaftigkeit der Klage und den Motiven hinter den wiederholten Verzögerungen auf.
Die Auswirkungen dieses rechtlichen Kampfes gehen über den Gerichtssaal hinaus und könnten die journalistische Integrität und die Meinungsfreiheit in Serbien betreffen. Rechtsexperten und Verfechter der Pressefreiheit haben Bedenken über den kühlschrankartigen Effekt geäußert, den solche Klagen auf Journalisten haben können, die möglicherweise vorsichtiger werden, wenn es darum geht, über mächtige Akteure oder kontroverse Themen zu berichten. Der Ausgang dieses Falls könnte einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie ähnliche Fälle in Zukunft behandelt werden, was sich auf die gesamte Medienlandschaft in Serbien auswirken könnte.







